Integrationdurch Bildung.
Stille Reserven für die Wirtschaft nutzen, und für jedes einzelne Kind einen anderen Weg möglich machen.
- Laufzeit
- ab 2008
- Status
- Abgeschlossen
- Auszeichnung
- Bertelsmann Stiftung · „Pakt Zukunft“
Um was geht es?
Die PISA-Studie, das Bundesinstitut für Berufsbildung, das Beratungsunternehmen McKinsey und die Bertelsmann Stiftung kommen zu übereinstimmenden Ergebnissen.
- Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund müssen frühzeitig, differenziert und kontinuierlich gefördert werden. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung wird das immer bedeutsamer.
- Die unzureichende Integration von Zuwanderern kostet den deutschen Staat durch Mindereinnahmen bei Einkommensteuern und Sozialbeiträgen jährlich 16 Milliarden Euro.
- Durch die demografische Entwicklung fehlen in Deutschland bis zu 6 Millionen Arbeitskräfte, und zwar nicht nur Hochqualifizierte.
- Gute Chancen in der Bildung und auf dem Arbeitsmarkt sind die entscheidenden Faktoren für eine gelungene Integration.
Gleichzeitig sind viele Jugendliche mit Migrationshintergrund, hauptsächlich türkischer Herkunft, ohne Zukunftsperspektive. Ein hoher Prozentsatz besucht nur Haupt- und Sonderschulen und hat damit später kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Nach EU-Kriterien gilt der Sekundarabschluss als Mindestqualifikation für den Erfolg in einer modernen Dienstleistungsgesellschaft.
Es ist unter diesen Bedingungen notwendig, im Sinne eines „Return of Social Investment“ gezielt in effektivere Maßnahmen zur Förderung und Qualifizierung dieser Kinder und Jugendlichen zu investieren.
16 Mrd. €
jährliche Kosten
So viel kostete unzureichende Integration den Staat jedes Jahr durch fehlende Einkommensteuern und Sozialbeiträge.
32 %
der Grundschüler
In Heilbronn hatte fast ein Drittel der Grundschulkinder einen ausländischen Pass. Damit lag die Stadt landesweit an der Spitze.
4.100
Kinder und Jugendliche
Etwa ein Fünftel aller Kinder und Jugendlichen im Stadtgebiet Heilbronn war türkischstämmig.
Der Weg nach der Grundschule.
Diese Verteilung ist der Ausgangspunkt des Projekts. Ziel der Individualförderung ist es, die Zahl der Grundschulempfehlungen für Realschule und Gymnasium deutlich zu erhöhen. Langfristig ist die Empfehlungsquote der wichtigste Erfolgsindikator.
- 10Gymnasium
- 9,75 Prozent, nicht einmal jedes zehnte Kind
- 21Realschule
- 21,2 Prozent
- 57Hauptschule
- 56,6 Prozent, mehr als die Hälfte
- 12Sonderschule
- 12,1 Prozent
Projektziele und Zielgruppen.
Der Verein wollte die Quote der Kinder und Jugendlichen mit türkischem Migrationshintergrund an Realschulen und Gymnasien in der Region Heilbronn-Franken erhöhen.
- Zielgruppenspezifische und bilinguale Aufklärung der Eltern über die Möglichkeiten einer höher qualifizierten Ausbildung ihrer Kinder und über die Wertigkeit der verschiedenen Schulabschlüsse.
- Zielgruppenspezifische und bilinguale Aufklärung der Jugendlichen mit dem Ziel, zum Lernen zu motivieren. Die Vorbildfunktion erfolgreicher Personen aus dem eigenen Kulturkreis spielt dabei eine große Rolle.
- Individualförderung für Schülerinnen und Schüler türkischer Herkunft in den 3. und 4. Grundschulklassen, vor allem in Deutsch und Mathematik.
- Außerschulische Begleitmaßnahmen wie gemeinsame Besuche kultureller Veranstaltungen, Ausstellungen und Museen, um soziale und kulturelle Kompetenzen zu fördern.
Jugendliche mit Migrationshintergrund verfügen neben ihrer Mehrsprachigkeit über interkulturelle Kompetenzen. Sie haben gelernt, in verschiedenen Kulturen zu leben, und integrieren sie in ihren Alltag. Angesichts der Internationalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft ist das eine bedeutende Chance auf dem Arbeitsmarkt.
Die Jugendlichen sind aber durch ihre schulischen und sozialen Erfahrungen oft so negativ geprägt, dass sie ihre nicht-deutsche Herkunft als Mangel empfinden und ihre Chancen nicht erkennen. Der TRTC versucht, als Vorbild zu fungieren und die Sichtweise zu schärfen: Bikulturelle Kompetenz ist für die berufliche Zukunft wichtig.
Vier Schritte.
Informationsabende in Kindergärten
Der Verein führte Informationsabende für türkische Eltern in Kindergärten durch. Weil Vereinsmitglieder in beiden Sprachen moderierten, ließen sich sprachliche und kulturelle Barrieren leichter überschreiten. Das führte zu einer wirksameren Aufklärung der Eltern und zu einer vertrauensvolleren Verständigung mit den Erziehenden.
- Bilinguale Moderation
- Eltern aktiv einbinden
Elternabende in der 2. Klasse
Die Aufklärungsarbeit setzte sich in den Elternabenden für die türkischen Eltern der zweiten Grundschulklassen fort. Dort ging es zusätzlich um die Besonderheit der 3. und 4. Klasse und um die Bedeutung der Schulempfehlung.
- Schulempfehlung erklären
- Übergang vorbereiten
Individualförderung ab der 3. Klasse
Viele Eltern mit Migrationshintergrund können die Hausaufgaben ihrer Kinder nicht ausreichend begleiten. Ab der 3. Klasse erhielten förderfähige türkische Schulkinder deshalb auf Empfehlung ihrer Klassenlehrerin oder ihres Klassenlehrers zusätzlichen Unterricht, in den Räumen der Schule und durch Lehrkräfte, die die Schule benannte.
- Deutsch und Mathematik
- Kleine Gruppen
- Evaluation alle 3 Monate
Mitglieder als Vorbilder
Die Vereinsmitglieder besuchten Schulklassen und erzählten von ihrem eigenen Werdegang in Deutschland. Türkische Schülerinnen und Schüler aus mehreren Klassen kamen dafür zusammen.
- Schulbesuche
- Eigene Biografien
Eckdaten der Individualförderung
- Gruppengröße
- höchstens 5 Kinder
- Umfang
- bis zu 2 Schulstunden pro Woche
- Fächer
- vor allem Deutsch und Mathematik
- Finanzierung
- 25 € je Stunde, getragen vom Verein
- Räume
- gestellt von den Schulen
- Evaluation
- alle drei Monate mit Eltern und Lehrkräften
Reichweite
4 von 19 Grundschulen
- 4mit Förderunterricht
- 15ohne Förderunterricht
Wie es begann.
Der TRTC ist seit Anfang 2007 im Bereich der Bildungsförderung aktiv. Nach den ersten Gesprächen im Frühjahr mit der Stadt Heilbronn (Bürgermeisteramt, Schul-, Kultur- und Sportamt sowie Amt für Familie, Jugend und Senioren) folgten Elternabende an verschiedenen Grundschulen.
Die erste Gruppe mit fünf Schülerinnen und Schülern aus der 3. Klasse der Gerhart-Hauptmann-Schule wurde ab Mai 2008 gefördert. Weitere Gruppen an der Gerhart-Hauptmann-, der Rosenau- und der Albrecht-Dürer-Schule kamen ab Oktober 2008 dazu. In der Spitze lief der Förderunterricht an vier der 19 Heilbronner Grundschulen.
Nachhaltigkeit
- Ständige Begleitung durch den TRTC
- Fortsetzung des Projektes über die ursprüngliche Laufzeit hinaus
- Dokumentation auf der Vereinshomepage
- Monitoring der Statistiken und Information der Öffentlichkeit
- Ausweitung der Elternarbeit auf weiterführende Schulen
- Weitergabe der Erfahrungen an die Stabsstelle Integration der Stadt Heilbronn
Was sich bewegt hat.
Schon im zweiten Jahr des Förderunterrichts drehte sich die Statistik in Heilbronn. Nach Jahren, in denen die PISA-Studien immer denselben Zusammenhang zwischen Herkunft und Schulerfolg feststellten, ging es erstmals in die andere Richtung.
+16 %
mehr an Realschulen
So viel mehr türkische Schülerinnen und Schüler besuchten die Realschulen in Heilbronn.
+13 %
mehr an Gymnasien
Auch an den Gymnasien waren sie deutlich stärker vertreten.
−18 %
weniger an Förderschulen
Im Landkreis Heilbronn ging die Zahl sogar um 19 Prozent zurück.
90
geförderte Grundschüler
So viele Kinder erhielten Ende 2009 Förderunterricht, den der Verein bezahlte.
Quelle: „Türkische Schüler holen auf“, Heilbronner Stimme, 28. Oktober 2009.
Unter 1.000 bundesweiten Bewerbungen setzte sich der TRTC zusammen mit acht weiteren Programmen durch.
Der TRTC wurde für sein außergewöhnliches gesellschaftliches Engagement ausgezeichnet. „Integration durch Bildung“ ist das Motto, der Antrieb und das definierte Ziel des Vereins.
- Projekt
- Integration durch Bildung
- Untertitel
- Stille Reserven für die Wirtschaft nutzen
- Laufzeit
- ab 2008
- Status
- Abgeschlossen
- Auszeichnung
- Ausgezeichnet von der Bertelsmann Stiftung und „Pakt Zukunft“
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